Eine App oder auch jedes andere Produkt zu entwickeln macht viel Arbeit und ist meistens auch teuer. Die initialen Entwicklungskosten für eine App belaufen sich auf etwa 10.000€ im einfachsten Fall und bis zu 500.000€ bei komplexen Apps. Niemand sollte so viel Geld und Zeit für einen Ladenhüter investieren.

In diesem Artikel wollen wir daher der folgenden Frage nachgehen: Wie kannst Du herausfinden, wie Deine Idee bei potentiellen Nutzern ankommt noch bevor die erste Zeile Code geschrieben wird?

Warum viele Ideen scheitern

Ich will Dich nicht demotivieren, aber es gibt hunderte Gründe, warum eine Idee scheitern kann. Vielleicht ist die Usability Deines Produkts nicht gut genug, sodass die Nutzer frustriert aufgeben. Oder Deine Zielgruppe ist viel zu klein um ein profitables Geschäft aufzubauen. Oder Du nutzt die falschen Mittel und Wege, um Deine Nutzer im Marketing zu erreichen. Das sind aber alles Probleme, die erst nach der Realisierung Deiner Idee aufkommen.

Während diese Ausführungsfehler meistens durch Verbesserungen zu beheben sind, sieht es schlecht aus, wenn Idee einfach nicht das Gelbe vom Ei ist.

Ist das eine gute Idee?

Dein Produkt sollte ein Problem Deiner Nutzer lösen, ein Verlangen befriedigen oder zumindest das Leben etwas vereinfachen. Eigentlich ganz einfach. Dabei kann allerdings einiges schief gehen:

  • Was Du für ein Problem hälst, ist für die Nutzer in Wirklichkeit gar kein Problem.
  • Du hast das Problem nicht richtig verstanden, sodass Dein Produkt keine adäquate Lösung darstellt.
  • Deine Nutzer wissen gar nicht, dass sie das Problem haben, das Du Lösen möchtest.
  • Deine Lösung unterscheidet sich nicht ausreichend von der Konkurrenz.

Zum Glück gibt es Mittel und Wege zu überprüfen, ob Du einem „echten“ Problem auf der Spur bist, noch bevor Du einen Cent an einen App-Entwickler zahlst, der Deine Idee in Code gießt.

Frühzeitig Feedback von den Nutzer einholen

Vermutlich hast Du selbst einen Bezug zu dem Problem, das du lösen möchtest. Es ist jedoch ein Fehler zu glauben, dass Du repräsentativ für alle Menschen bist, die dieses Problem auch haben. Höchstwahrscheinlich decken sich Sichtweisen und Prioritäten der Anderen nicht 100 prozentig mit Deinen Ansichten. Du solltest das Produkt aber so bauen, dass es optimal für Deine Zielgruppe funktioniert.

Um nicht an einem Produkt zu entwickeln, das später keine Nutzer begeistern wird, solltest Du noch vor Beginn der Entwicklung Feedback von Deinen potentiellen Nutzer einholen. Dafür brauchst Du noch kein ausgearbeitetes Konzept, keine Designs, keinen Prototyp, sondern nur die Idee in Deinem Kopf.

Möglichkeiten um Feedback einzuholen:

  • Qualitativ: Führe informelle Interviews mit 10 bis 30 Menschen aus Deiner Zielgruppe.
  • Quantitativ: Baue eine Demo für Dein Produkt und miss die Resonanz darauf.

Beide Verfahren haben ihre Vor- und Nachteile. Der Königsweg besteht darin zunächst qualitatives Feedback durch Gespräche einzuholen und das Gelernte dann durch quantitative Messungen zu überprüfen.

Methode 1: Qualitatives Feedback durch Interviews

Sprich daher mit Menschen aus Deiner Zielgruppe über das Problem, das du lösen möchtest. Frage sie, wie sie derzeitig damit umgehen. Aus welchen Teilproblemen setzt es sich zusammen? Haben sie bereits eine behelfsweise Lösung? Suchen sie aktiv nach einer besseren? Welche Kosten (finanziell, zeitlich oder emotional) verursacht das Problem? So kannst Du ein Gespür dafür bekommen, ob Dein Produkt ein echter Painkiller wird, oder doch eher ein Nice-to-Have, für das im Zweifelsfall niemand Geld oder Zeit opfern wird. Und für den Fall, dass Du mit Deiner Idee doch auf dem Holzweg bist, findest Du vielleicht durch die Gespräche ein anderes vielversprechenderes Problem, das nach einer Lösung verlangt.

Führe persönlich Gespräche in informeller Atmosphäre, um mehr über das Problem zu erfahren.

Es macht etwas Arbeit, aber am besten führst Du Gespräche mit 10 – 30 Menschen aus Deiner Zielgruppe. Erste Gesprächspartner kannst Du bestimmt aus Deinem Bekanntenkreis akquirieren. Frage sie dann nach weiteren Kontakten. Fremde werden eher gewillt sein mit Dir zu reden, wenn ein Freund euch miteinander bekannt macht. Je nachdem wie Deine Idee konkret aussieht, kannst Du auch zu Meetups gehen, auf denen sich Deine Zielgruppe trifft, Dich vor dem Supermarkt postieren oder am Tag der offenen Tür im Altenheim vorbeischauen.

Vor- und Nachteile dieser Methode

Die Vorteile dieser Methode habe ich bereits angerissen, aber natürlich hat sie auch ihre Schwächen.

Vorteile:

  • Du erfährst nicht nur eine Bewertung Deiner Idee, sondern auch vermutlich auch direkt Hinweise, in welche Richtung Du sie weiterentwickeln kannst, d.h. Du erhältst qualitatives Feedback. Interviews sind super flexibel, sodass Du unmittelbar im Gespräch eine neue Idee, die Dir spontan gekommen ist, einfließen lassen kannst.
  • Du baust Dir ein Netzwerk in Deiner Zielgruppe auf, auf das du auch in späteren Entwicklungsstufen zurückgreifen kannst. Beispielsweise während des Beta-Tests Deiner App.

Nachteile:

  • Es ist ziemlich aufwändig mit so vielen Leuten zu sprechen. Die Arbeit solltest Du aber investieren, schließlich geht es um viel Zeit und Geld.
  • Wenn Du es nicht richtig anstellst, werden Deine Interviewpartner Dich höchstwahrscheinlich anlügen. Den meisten Menschen wird es schwer fallen, Dir ins Gesicht zu sagen, dass sie nichts von Deiner Idee halten. Besonders einfach ist es, am Telefon zu lügen. Versuche daher über das Problem zu reden, nicht über Deinen Lösungsansatz. Versuche die Wichtigkeit des Problems einzuschätzen und mehr über den Umgang Deiner Gesprächspartner damit zu erfahren, statt von den Vorteilen Deiner Lösung zu schwärmen. Niemand kann Dich in Bezug auf Deine Idee anlügen, wenn Du gar nicht konkret über Deine Lösung sprichst, sondern lediglich indirekte Fragen stellst.
  • Ein Stichprobenumfang von 10 bis 30 Menschen ist nicht repräsentativ und würde keiner wissenschaftlichen Studie genügen. Mit etwas Pech werden Deine Hypothesen nicht von den Befragten bestätigt, obwohl sie eigentlich wahr sind – oder schlimmer noch, sie werden bestätigt, obwohl sie falsch sind.
Ein Wort zu Online-Umfragen

Ich hoffe Du stimmst mir nun zu, dass Kundengespräche eine gute Idee sind, um deine Idee zu evaluieren. Vielleicht schreckst Du aber auch vor dem Aufwand zurück, den dieser Ansatz mit sich bringt. Oder Du bist nicht so der Typ, der gerne auf Fremde zugeht und sie interviewt. Vielleicht fragst Du Dich jetzt, ob Du nicht auch einfach eine Online-Umfrage erstellen kannst, um Feedback zu erhalten. Leider eignen sich Umfragen nur bedingt.

  1. Sie setzen voraus, dass Du die richtigen Fragen stellst. Im Gespräch wirst Du schnell merken, wenn Du in die falsche Richtung fragst und niemand was mit Deinen Fragen anfangen kann. Im Fragebogen ist das nicht der Fall – du musst schon ziemlich sicher wissen, was Du eigentlich in Erfahrung bringen möchtest und kannst auch nicht nochmal nachhaken.
  2. Niemand wird sich die Zeit nehmen Dir ausführlich, schriftlich auf Deine Fragen zu antworten. Du wirst kurze, teils unverständliche Antworten erhalten, und die Teilnehmer Deiner Umfrage werden nur wenige Sekunden darauf verwenden, über Deine Fragen nachzudenken. Vielleicht setzt Du aber auch auf vordefinierte Antwortmöglichkeiten. Dieser Ansatz ist aber gefährlich. Er impliziert, dass Du die Menge aller möglichen Antworten bereits kennst.

So oder so, Du erhältst Antworten mit geringem Wahrheitsgehalt beziehungsweise niedriger Relevanz. Davon bekommst Du aber nichts mit – für Dich sieht der schicke Antwortreport hilfreich aus. Im schlechtesten Fall entwickelst Du Deine Idee daraufhin in die falsche Richtung weiter.

Die Gründer von MyMüsli (dem erfolgreichen, Online-Müsli-Versand) befragten beispielsweise über 1000 Menschen mit Hilfe eines Online-Fragebogen, ob sie Müsli auch online kaufen würden. Die überwältigende Mehrzahl antwortete mit ‚Nein‘. Hätten sich die Gründer auf diese Information verlassen, hätten sie eine lukrative Geschäftsidee verworfen.

Die Kunst beim Kundeninterview besteht darin, mit indirekten Fragen die wahren Bedürfnisse und Wünsche aus den Menschen herauszukitzeln, indem Du zwischen den Zeilen ließt. Bei Online-Umfragen fehlt Dir die Mimik, die Körpersprache, die Information, ob die Antwort schnell oder mit Verzögerung kam. Und wenn jemand keine Antwort weiß, wird er trotzdem brav eine der vordefinierten Antwortoption anklicken. Daher ist das persönliche Gespräch den Online-Fragebögen in dieser frühen Phase vorzuziehen.

Methode 2: Quantitative Messung des Interesses

Statt mit Menschen über das Problem zu reden und aus ihren Antworten abzuleiten, ob Deine Idee aussichtsreich ist oder nicht, kannst Du auch versuchen die Reaktionen zu messen.

„Kennen Sie dieses Problem? Unser Produkt bietet die Lösung!

Werbespots nach diesem Muster sind weit verbreitet. Du kannst es auch nutzen, um Deine Idee mit potentiellen Nutzern zu evaluieren. Erstelle dazu einen Demonstrator – eine Landingpage, einen Facebookpost, ein Video oder einen Informationsstand in der Fußgängerzone – der das Problem und Deine Lösung schnell verständlich erklärt.

Zeige Deinen Demonstrator nun ein paar 100 bis 1000 Leuten und schau, wie viele Leute interessiert sind. Du kannst beispielsweise die Seiten- bzw. Videoaufrufe messen, die Likes auf Deine Facebook-Anzeige zählen oder die Anzahl an stehengebliebenen Passanten auswerten. Du kannst auch einen Call-to-Action in Deinen Demonstrator integrieren (z.B. eine Newsletter-Anmeldung) und gucken, welcher Anteil an Besuchern sich die Mühe macht, der Aufforderung folge zu leisten.

Am besten funktioniert diese Methode mit einem kleinen Werbebudget, sodass Du in kurzer Zeit viele Menschen erreichst. Du kannst auch gleichzeitig verschiedene Variationen Deines Demonstrators ausspielen und die Ergebnisse untereinander vergleichen.

Miss die Resonanz auf Deine Landing-Page, um die Erfolgsaussichten Deiner Idee abzuschätzen.

Vor- und Nachteile dieser Methode

Auch bei dieser Methode gibt es kein Licht ohne Schatten.
Vorteile:

  • Die Methode ist schnell und bequem. Wenn Du eine Landingpage programmierst, musst Du das Haus nicht verlassen, um Feedback einzuholen.
  • Du erreichst mehr Menschen und reduzierst dadurch das Risiko von nicht-repräsentativen Ergebnissen.

Nachteile:

  • Du erfährst nicht, warum die Leute Deine Idee gut oder schlecht finden. Daher ist es schwer, Ansatzpunkte zur Verbesserung zu finden.
  • Wie bewertest Du die Ergebnisse? Ist eine Klickrate von 0,1% gut? 1%? 50%? Hierfür gibt es keine allgemeingültigen Richtwerte.
  • Sind schlechte Ergebnisse auf Deine Idee zurückzuführen, oder war vielleicht Dein Demonstrator nicht verständlich genug? Oder hast Du vielleicht die falsche Zielgruppe beim Ausspielen Deiner Werbung adressiert?

Wie Du siehst, wirft die Methode viele neue Fragen auf. Letzten Endes müssen die Ergebnisse Dich davon überzeugen, dass es sich lohnt die Idee weiter zu verfolgen.

Fazit

Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile. Dir muss auch klar sein, dass ein positives Ergebnis noch keine Erfolgsgarantie ist. Dennoch lohnt es sich, Zeit und Energie in die Vorab-Evaluierung zu investieren, denn es ist sehr wahrscheinlich, dass Deine Idee Schwächen hat. Und es ist gut, früher als später zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Zudem stehen die Chancen gut, dass Du Deine Idee im Laufe des Prozesses weiterentwickeln und verbessern kannst. Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg!

Falls Du Dich weitergehend mit den hier vorgestellten Methoden beschäftigen willst, empfehle ich Dir Das Handbuch für Startups oder das Buch Running Lean von Ash Maurya.

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